Vespa PX200 - königlich fahren!

Vespa PX 200 E Lusso

 

Königlich fahren mit zehn PS

 





Die Königin der Motorroller ist wendig, zuverlässig und komfortabel: Die einzige Panne der Vespa PX 200 E Lusso auf 90.000 Kilometer resultierte aus falschem Öl. SPIEGEL-ONLINE-LESER Roy-Uwe Rojas Wahl ist auch nach 26 Jahren noch immer von seiner Vespa begeistert.

 

Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Roy-Uwe Rojas Wahl über das Leben mit seiner Vespa PX 200 E Lusso , Baujahr 1984.

 

Die ersten 1000 Mark spendierte meine Oma, meine Eltern legten weitere 1000 darauf, und ich kratzte als frischer Abiturient meine letzten Ersparnisse zusammen. Von einem Motorrad hatte mein Vater abgeraten. Da ich mich für Autos nicht interessierte, gab es nur eine Alternative: einen Motorroller. Stolze 4000 DM kostete die Vespa, eine PX 200 E Lusso, Baujahr 1985.

Die Kiste besitzt keinen elektrischen Anlasser, sondern nur einen Kickstarter. Etwas für Puristen also, nur die damals neue Getrenntschmierung passte nicht so ganz ins Bild. Vespas waren früher mit Zwei-Takt-Motoren bestückt und brauchten deshalb nicht nur Benzin, sondern auch spezielles Öl. Das wird entweder bereits mit dem Kraftstoff vermischt getankt oder aus einem Reservoir zum Sprit dazugegeben - bei mir kommt nur synthetisches Schmiermittel zum Einsatz. Vielleicht ist das auch das Geheimnis, warum der Motor bis heute rund 90.000 km ohne Probleme absolviert hat.

 

Meine einzige größere Panne gab es 2004 in den USA auf dem Weg von New Jersey nach Virginia: In Maryland, auf dem Interstate-Highway I-95, brannte die Kupplung durch. Der Fehler lag ganz klar bei mir, da ich das falsche Öl benutzt hatte. Die Kupplung wird darin förmlich gebadet und so geschmiert und gekühlt. Valvoline SAE 30 Non-detergent heißt des Vespa-Fahrers Zauberelixir, doch ich hatte es in den USA nicht finden können und benutzte irgendein "US-Salatöl". Inzwischen versorgt mich ein Spezial-Shop in New Jersey mit dem Originalschmiermittel.

 

Mein Hobel verfügt über zehn PS. Wie ich mit dieser Leistung eine Strecke wie zweimal um den Globus zurücklegen kann? Warum ich nie umgestiegen bin, sagen wir, auf ein viel größeres Motorrad? Ich gebe es zu: Die Versuchung war manchmal groß. Sicher hätte ich gelegentlich lieber 120 PS zur Verfügung gehabt, etwa auf der Autobahn.

 

Daumen hoch vom Pariser Motorradkurier

 

Was aber wahren Fahrspaß angeht, wenn es auf Wendigkeit, Spritzigkeit, Zuverlässigkeit und Sitzkomfort ankommt, kann nichts die Vespa schlagen. In engen Kurven wie in den Bergen komme ich flotter voran als einige Motorradfahrer. Im Stadtverkehr von New York oder Paris kommt auch ein Bolide nicht schneller voran als ich. Die Vespa wiegt leer nur 110 kg, damit bin ich an der Ampel so schnell wie alle anderen auch.

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Einen meiner größten Momente als Vespa-Fahrer hatte ich, als ich einem Pariser Motorradkurier erfolgreich von Sacre-Cœur auf dem Montmartre die halbe Innenstadt hindurch bis zum Place d'Étoiles am Triumphbogen folgen konnte. An der letzten Ampel vor dem berüchtigten Kreisel wandte er sich mit seiner coolen Sonnenbrille um und nickte mir mit hochgestelltem Daumen anerkennend zu. Das war 1990. Diesen Augenblick werde ich mein Lebtag nicht vergessen.

 

Die 90.000 Kilometer bin ich ohne Probleme am Motor oder Fahrgestell gefahren. Vielleicht liegt das auch an der Konstruktion. Sie hat keine Kette, sondern das Hinterrad wird direkt angetrieben. Das ist sehr wartungsfreundlich, denn alles andere lässt sich quasi mit einem "Kaugummi reparieren", so der Kommentar eines Touristen aus der Heimat, den ich 2005 auf meiner Tour durch den Shenandoah Nationalpark in Virginia kennengelernt hatte.

 

Komfort und Stil

 

Mit dem Roller kann man auch seine Freundin locker über das Timmelsjoch nach Italien entführen, oder seinen Sohn Cyril und seine Tochter Amelie nach New York City. So viel Platz bietet eine Vespa-Sitzbank (der Komfort-Faktor). Und ist da natürlich noch die Tradition, die Geschichte der Marke Vespa, die eine Ikone westlicher Populärkultur geworden ist: Audrey Hepburn, Gregory Peck, Marilyn Monroe, die Mods der 60er. Sie alle fuhren Vespa.

 

aus: http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,702552,00.html