Neue Roller 2009: Bericht in der Süddeutschen

Neue Motorroller

Auf der Überholspur

Im Gegensatz zu den Motorrädern verkaufen sich Motorroller immer besser - die wichtigen Premieren des Modelljahres 2009.
Von Ulf Böhringer

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Motorroller Vespa
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Foto: oh

 

 

 

Motorroller liegen im Trend - immerhin 12.000 Exemplare wurden von Januar bis Oktober neu zugelassen, 8000 waren es in derselben Zeit des Vorjahres. Vor allem die Nachfrage nach den kräftigen Scootern steigt seit Jahren kontinuierlich, ganz im Gegensatz zu den Motorrädern. Da verwundert es nicht, dass selbst BMW überlegt, ob man sich künftig auch im Roller-Segment engagieren wird.

Im Grundsatz lassen sich die Motorroller in zwei Gattungen einordnen: zum einen die Kompaktroller mit 200 bis 300 Kubik Hubraum wie die sehr erfolgreiche Vespa GTS, zum anderen die sogenannten großvolumigen Maxiroller - für diese Kategorie steht beispielhaft die Burgman-Reihe von Suzuki. Besonders gefragt ist die 400-Kubik-Klasse und so ist es nur konsequent, dass in den vergangenen Wochen Honda, Suzuki und Yamaha neue Fahrzeuge in diesem Segment vorgestellt haben.

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Motorroller Vespa GTS Motorroller Suzuki Burgman 400 Motorrrolle Yamaha Majesty 400 Motorroller Honda SW-T 400 Motorrolle Gilera GP 800 Motorrolle Gilera GP 800
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Die Rechnung zwischen reichlich Hubraum und satter Leistung einerseits und überschaubaren Kosten andererseits geht in der 400er-Klasse deshalb auf, weil hier Viertakt-Einzylindermotoren vorherrschen; steigt die Motorgröße, entschließen sich die Konstrukteure meist zu Zweizylinder-Konstruktionen, was dann den Preis deutlich in die Höhe treibt. Kein Modell dokumentiert das besser als der Suzuki Burgman 400, sozusagen der Urvater der Maxiroller: 1999 erstmals erschienen, wurde der Roller konsequent modellgepflegt und wird nun - unisono begrüßt vonHändlern und Kunden - mit ABS ausgerüstet. Doch zusammen mit mit der Verteuerung der japanischen Währung sorgen dies auch dafür, dass sich der Preis in Deutschland nun bedrohlich der 7000-Euro-Marke nähert.

Die Burgman-Reihe von Suzuki ist innerhalb von neun Jahren quasi zur Marke innerhalb der Marke geworden. "Ich fahre einen Burgman", sagen seine Besitzer kurz und bündig; dass der von Suzuki stammt, wird gar nicht mehr erwähnt. Gegen dieses Image tun sich die anderen Hersteller schwer. Yamaha versucht mit seinem Majesty 400 dagegenzuhalten; für 2009 hat man das 400er-Modell technisch leicht aufgerüstet, zugleich optisch überarbeitet und ABS in die Serie aufgenommen. Sowohl äußerlich wie auch technisch sind die Unterschiede zwischen dem Yamaha- und dem Suzuki-Roller minimal; hier wird die Kaufentscheidung der Interessenten wohl hauptsächlich von der Nähe eines Händlers und dessen Qualität abhängen.

Einen anderen Kurs steuert Honda. Der für 2009 ganz neu konstruierte SW-T 400 kommt mit einem Zweizylinder-Reihenmotor und verfügt zudem über ein Kombinationsbremssystem mit ABS. Konsequenz dieser Motorisierung ist, dass die Laufruhe des Triebwerks deutlich besser ist als die der Einzylinder-Konkurrenzmodelle. Zudem hat der Motor mit 29 kW (39 PS) etwas mehr Leistung als die Einzylinder von Suzuki und Yamaha mit 25 kW (34 PS). Den Preis für zwei Zylinder zahlen die Kunden weniger an der Kasse - der Honda-Roller ist mit 6790 Euro um 400 Euro günstiger als der Yamaha - als vielmehr beim Gewicht: 250 Kilo Lebendgewicht wollen rangiert sein.

Insgesamt problematisch bei den Maxiscootern ist die jeweilig zulässige Zuladung - beim Honda SW-T 400 beispielsweise sind es nur 169 Kilogramm. Problematisch deshalb, weil sich das Klientel für diese Roller, so sagt es die Händlererfahrung, überwiegend aus älteren Menschen zumeist im Vorruhestand zusammensetzt, die oft keine Fliegengewichte mehr sind. Dafür aber sind die über 50-Jährigen bereit, etwas mehr Geld auszugeben - die Entscheidungskriterien sind guter Fahrkomfort und hoher technischer Standard.

Besonders hohe Motorleistungen dagegen scheinen für Maxiscooter-Käufer nicht vorrangig zu sein. Als Indiz dafür mag der Gilera GP 800 dienen, dessen Zweizylinder-Motor immerhin gute 50 kW (68 PS) leistet und den 262 Kilo schweren Roller auf fast 200 km/h beschleunigt. Allerdings: Statt einer unauffälligen Triebsatzschwinge hat er einen Kettenantrieb, was der auf unaufwendige Wartung bedachten Kundschaft suspekt ist. Zudem fehlt auch ein ABS - und das geht inzwischen in Deutschland überhaupt nicht mehr.

(SZ vom 13.12.2008)

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