Getrenntschmierung bei 1989er PX200 (Motovespa TX200) EINbauen

Guten Samstag allerseits aus dem Weinviertel in Niederösterreich!

Ich wohne halb in Berlin und halb "hier unten". Habe mir vor kurzem hier in Niederösterreich eine spanische Motovespa TX200 gekauft, von 1989 mit weniger als 10.000km, nur einem Vorbesitzer, fast keinem Rost etc etc.. Sie hat jetzt eine österreichische Einzelgenehmigung, Nummernschildvergabe / österreichischer TÜV problemlos. Bei der Motovespa TX200 sind Motor und Mechanik von der PX200, Karosserie und Technik von der T5

Nachdem sie offenbar mehr als 10 Jahre lang stand, bin ich mittlerweile 500km gefahren - und sehr zufrieden. Sie kjommt im 4. Gang bei knapp 6500 U/min auf ca. 100/105kmh und fühlt sich nicht "angestrengt an". Alles ist wunderbar, nur die Tachowelle gab vor 50km ihren Geist auf. Was mich aber fast gefreut hat: denn da sie bis dahin lief, ist es noch wahrscheinlicher, dass der Kilometerstand (9992) tatsächlich authentisch war. 

Einziges Manko für mich - speziell als Besitzer auch einer PX80/135 (Pollini) von 1992 mit Getrenntschmierung - ist genau das: die nicht vorhandene Getrenntschmierung. Die hat bei meiner Berliner PX 80/135 von 1992 bisher immer tadellos funktioniert. Da ich zur Hälfte des Jahres in Berlin wohne, habe ich dort die PX80/135 stehen - und ich fahre sie eigentlich IMMER außer bei Eis auf der Straße, und hatte selbst bei klirrenster Kälte nie Probleme, sie springt immer beim dritten Tritt an und fährt Problem- und rauchlos. 

Ich weiß wohl, das Puristen die Nase rümpfen werden - die Tendenz geht eher dahin, Getrenntschmierung auszubauen. Mir aber geht das Mischen echt auf den Geist - und ich habe auch das Gefühl, bei 1:50 wesentlich mehr Öl zu verbrauchen als mit der PX. 

Also die Frage: was spräche dagegen, einen neuen Tank mit Getrenntschmierung zu kaufen (diesen hier zum Beispiel: Tank mit Getrenntschmierung | SIP-Scootershop.com ), ein Loch an entsprechender Stelle fÜr den Ölanzeiger zu bohren?

Und wie macht man es konkret? Einfach alten Tank ausbauen, Loch bohren, neuen und neue Schläuche einsetzen und feddich? In den einschlägigen Vespa-Foren ist oft die Rede davon wie man Getrenntschmierung ausbaut oder abklemmt - aber nicht anders herum. Daher bitte ich um einen Rat.

Allerbeste Grüße,
Dirk

Das Amputieren der Getrenntschmierung ist keine erst seit kurzem währende "Tendenz" - wir haben das auch schon vor 30 Jahren so praktiziert. Das hat auch rein gar nichts mit "Purismus" zu tun; Grund ist, daß die Getrenntschmierung samt ihrem Ölpumpenkateschißmus konstruktiv gesehen nachträglich in den Motor hineinlaviert wurde und in den Augen von praktizierenden Vespisten und Oldschool-Mechanikern als mechanisch unzulänglich gilt - Hier wurde der Begriff geprägt: gut gedacht - schlecht gemacht.  
Menschen, die stets auf der sicheren Seite sein wollen, mischen den Sprit selbst und überlassen das nicht einer suspekten Dosiereinrichtung -besonders bei Motoren mit Mehrleistung, und solchen, deren Gehäuse eine längere Laufleistung auf dem Buckel hat.


Darauf will ich mal eingehen da es ggf. andere interessiert.

Die mechanischen Elemente der Ölpumpe laufen nirgends druckumlaufgeschmiert; weder Zahnräder noch Zapfwelle laufen in Laufbuchsen o. Kugellagern, sondern im blanken weichen Alu des Motorgehäuses - diese Lagerstellen im Motor verschleißen entsprechend. Und wenn dann die beweglichen Teile (Zapfwelle/Zahnrad) anfangen, hörbar zu klappern, läßt auch hier der (sichtbare/hörbare) Verschleiß nicht lange auf sich warten. Die Ölpumpe wird zudem durch ein gehärtetes Zahnrad angetrieben, das zwischen Kurbelwellenlager und Kupplung sitzt und das auch als Kupplungsgegenlager dient.

Es kann vorkommen, daß das doppelt belastete gehärtete (ergo spröd-harte) Zahnrad bei entsprechender Verschleißlage des Ölpumpenantriebs sich fragmentarisch zerlegt & die Bröckchen im Getriebe einen gepflegten Tschardasch tanzen können. Ich habe das nicht nur einmal gesehen.

Aber zurück zu deiner Eingangsfrage.
Ausgehend von einem geeigneten Motor, der im Inneren die Einbaumöglichkeit für den Ölpumpenantrieb besitzt (entweder einen fertig ausgestatteten "Lusso"- Motor, oder einen Motor, bei dem man fräsmaschinentechnisch den Ölpumpenantrieb nach erfolgter Motorkomplettzerlegung und Modifikation aktivieren konnte (...die Teile haben übrigens ihren Preis).
Dann kann man einen "Lusso"-Tank (mit unten angeschweißtem Schnorchel) nehmen, einen Öltank dranschrauben, die passenden Löcher in den Rahmen machen und die entsprechenden Leitungen verlegen (die akkurat genau so wie vorgesehen und konform zur dürftigen Pumpleistung der Dosiereinrichtung verlaufen müssen). 

 

Wir nennen das Ding zwar umgangssprachlich "Pumpe", sie ist aber in keinster Weise eine KFZ-Ölpumpe mit nennenswerter Förderleistung oder Druck, sondern lediglich eine Dosiereinrichtung ("Frischölautomatik"), die Öl in den Ansaugtrakt zum Benzin hinzudosiert. Das setzt voraus, daß auch der richtige Vergaser montiert ist, denn "nicht Ölpumpenvergaser" besitzen den "Ölpumpendosierkanal" nicht. Ebenso benötigt der Motor die entsprechende Vergaserwanne mit Ölförderkanal.

Bitte auch beachten, daß es für die verschiedenen Hubraumklassen (80, 125-150 und 200 ccm) teils unterschiedliche Pumpenelemente gibt und die Pumpenleistung zur Vergasergröße passen muß (es wäre z.B. eine schlechte Idee, eine PX80 Ölpumpe, die mit einem SI 20 Vergaser verpaart ist, stattdessen mit einem SI 24 oder größer zusammenwürfelt). 

 

 

Vielen herzlichen Dank. Das ist extrem hilfreich zu wissen. Ich lasse also die Spanische Italienerin so wie sie seit über 30 Jahren ist - unmodifiziert, verlässlich und durchaus durchzugstark. Und kaufe alle paar Wochen Ölchen und mische es ihr hinein.

Nochmals - danke für den guten Rat und die historisch-technischen Hintergründe!

Dirk