6v vs. 12v

Hallo zusammen,

welchen Vorteil bringt die Umrüstung von 6v auf 12v?
Wollte eigentlich alles wieder in orginal Zustand haben und les hier in den Foren das fast jeder Umbaut.
Gibt es demnächst keine Teile mehr für 6v?

Danke für die Info

Hi ..

Das ist auch ein bisschen eine Glaubenfrage ob 6V oder 12V.

Wenn man davon ausgeht das früher als es  nur 6 Volt gab die Sache auch funktioniert hat, könnte man sagen, warum soll ich auf 12 Volt umrüsten. Das ist an sich schon richtig.

Der Grund für eine 12Volt Umrüstung ist meiner Menung nach meistens der , dass die Lichtausbeute einfach besser ist und außerdem sind die 6Volt Zündanlagen ja immer Unterbrecherzündungen. Diese Zündungen  sind schon nicht schlecht, jedoch aufgrund des mechanischen Unterbrechers anfälliger als kontaktlose Zündungen.

Die kontaktlosen Zündungen arbeiten so weit ich weiß immer mit 12 Volt. Das ist also meißtens der Grund für eine komplette Umrüstung.

 

Cheers

Das größte Argument für mich wäre die Umrüstung auf H4, dann sieht man auch was im dunkeln und mit ner 12 Volt elektronischen Zündung muss man nicht ständig die Kontakte nachmessen.

Noch etwas fachliches blabla:

Jeder Widerstand im elektrischen System der Vespa ist als Verbraucher anzusehen.

Das gilt für Lampe, Hupe, Zündung und auch für jedes Stück Kabel und jede Klemme und jeden Schalter.

Denn auch Kabel, Klemmen, Schaltkontakte, etc. haben einen elektrischen Widerstand größer null.

Die Energie die bei der Übertragung an Kabeln, Schalter, etc. verloren geht steht nicht mehr für die Lampe zur Verfügung und gemessen an der gesamt zur Verfügung stehenden Energie ist der Verlust bei 6 Volt Anlagen höher als bei 12V Anlagen.

 

Ich erkläre das mal anhand der Spannungsverteilung im System. Die gesetzten Werte sind nicht gemessen sondern frei erfunden, entsprechen aber durchaus einem realen Szenario einer alten 6-Volt Vespa.

 

Der Generator liefert nominal 6 Volt.

Davon gehen an den zwei fürs Licht zuständigen Klemmen an der Motrschwinge schon mal 0,4 Volt verloren.

Weitere 0,6 Volt gehen am elektrischen Widerstand der beteiligten Kabel veroren.

Am Schalterkontakt gehen dann, weil er schon alt und korrodiert ist nochmal 0,5V verloren

Dann noch 0,3V an den Kontakten der Birnenfassung

 

Damit kommen am Ende 6-0,4-0,6-0,5-0,3= 4,2V an der Glühbirne an. Das sind grade mal 70% der 6V Nennspannung die die Glühbirne braucht um auf Ihre Nennleistung zu kommen.

Erschwerend kommt noch dazu, dass die 6V Anlage keinen Spannungsregler verbaut hat und somit die Spannung abhängig von der aktuellen Motordrehzahl schwankt. Das führt im unteren Drehzahlbereich zur Verstärkung des Funzeleffektes und im oberen Drehzahlbereich zu akuter Kurzlebigkeit der Birnen.

Einen weiteren negativen Einfluss auf die Bordspannung hat das Polrad. Bei alten Polrädern kann es sein, dass die darin befindlichen Magneten über die Jahre einen Teil ihres Magnetismus eingebüßt haben und somit die Zündanlage und der Generator gar nicht mehr auf ihre ursprünglich berechnete Nennleistung kommen.

 

Die 12 Volt Anlage:

Nehmen wir die oben angesetzten Spannungsabfälle und rechnen das Ganze nochmal mit einer Nennspannung von 12V. Das heisst nach U=R*I, daß an den Verlustwiderständen nur die halbe Spannung abfällt (halber Strom bei gleicher Leistung!)

12-0,2-0,3-0,25-0,15=11,1V

Das entspricht entgegen den 70% der 6V Anlage zumindest noch 92,5% der Nennspannung!

Ein großes Plus für die 12V Anlage.

Weiters ist bei den modernen 12V Anlagen ein Spannungsregler verbaut. Die Idee dahinter ist, den Generator so zu berechnen, dass er die 12V schon bei geringer Drehzahl erreicht. Steigt die Drehzal an bleibt die Spannung trotzdem konstant bei 12V weil der Spannungsregler, nomen est omen, die Spannung auf 12V runterregelt.

 

Wer genug vom Teelicht seiner Vespa hat sollte also ins Auge fassen auf 12V umzurüsten.

 

Weitere Vorteile ergeben sich bei der Zündung. Die alten 6V Anlagen arbeiten mit einem mechanischen Unterbrecher der über eine auf der Polradachse befindliche Nocke angesteurt wird.

Eine sehr einfache aber funktionale Lösung. Leider mit einigen systembedingten Schwächen behaftet.

1. Verschleiß am Mitläufer und am Schaltkontakt selber.

2. Dem Grundgesetz der Massenträgheit folgend funktioniert das System ab einer gewissen Drehzahl nicht mehr weil der Kontakt keine Zeit mehr hat sich zu schließen, während sich die Nocke einmal herumdreht und ihn schon wieder öffnen will.

3. Starrer Zündzeitpunk ohne Drehzahlanpassung.

 

In Summe ist es auf jeden Fall ein Gewinn an Sicherheit, Zuverlässigkeit und Performance wenn man seinen Roller umrüstet.

Ob allerdings eine 12V CDI Zündung auf einer Baujahr 65er Vespa etwas verloren hat ist ne andere Geschichte.

 

Grüße

Holger